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31302 002 - Es war einmal... - tarman 02. März 2012 00:32:10

...ein Ministerpräsident, der unbedingt Kanzler werden wollte. Er versprach den Leuten, "wir werden nicht alles anders, aber vieles besser machen" als der damals amtierende Helmut Kohl. Nun, Gerhard Schröder wurde Kanzler und er machte wirklich nicht alles anders. Und besser? Also, mir persönlich geht es im gerade angebrochenen siebten Jahr von "Gerds" Kanzlerschaft deutlich schlechter als zu Zeiten von Helmut Kohl. Nicht nur mir - steigende Arbeitslosenzahlen, drohende Massenentlassungen und Werksschließungen drängen immer mehr Leute ins Abseits, zu "Hartz IV" und "Ein-Euro-Jobs". Aber dies soll keine Jammerseite werden. Nein, wenn ich schon so märchenhaft anfange, dann will ich auch ein glückliches Ende finden. Wem geht es heute besser als damals, als einst unter Helmut Kohl?

Gerhard Schröder

Ja, als Kanzler hat er mehr zu sagen, als zuvor als Ministerpräsident in Hannover. Es gibt mehr Geld, häufigere und weitere Dienstreisen, zusätzliche Pensionen (als Bundestagsabgeordneter und als Kanzler) und natürlich mehr Fernsehauftritte. Dazu eine neue Frau (Doris) und ein neues (adoptiertes) Kind - kein Zweifel, dem Mann geht es gut. Nicht nur gut, nein, besser. Viel besser!

Josef Fischer (gelegentlich auch "Joschka" genannt)

Dieser Mann ist die völlige Antithese zum so oft proklamierten "Aufstieg durch Bildung". Er hat seinen Aufstieg ohne den überflüssigen Ballast von Schulabschlüssen oder Berufsausbildungen hingelegt und wäre in christlichen Zeiten bestimmt zum Schutzpatron und Nothelfer für PISA-geschädigte Schulkinder erhoben worden. Stets reisefertig hat er in nur sechs Jahren als Außenminister den Flugmeilenrekord von Genscher eingestellt. Saß jener einst hin und wieder in zwei Flugzeugen gleichzeitig, schafft es unser Mann mit dem Proletarier-Kampfnamen Joschka locker in dreien. Statt im Erdkunde-Unterricht auf der Schulbank zu schwitzen, schaut er sich die Länder einfach persönlich an und läßt sich die Einzelheiten bei einem Festbankett erklären. Obendrein gibt es auf diese Weise Souvenirs - zum Beispiel einen Doktortitel (ehrenhalber, natürlich). Ganz wie gewöhnliche Menschen hat dieser Mann auch Hobbys. Nein, nicht den Marathonlauf. Das war den Bodyguards zu anstrengend, deshalb hat es der Herr Vizekanzler gelassen und demonstriert seitdem wieder das durch Stimmenzuwächse gewachsene Gewicht seiner Partei am eigenen Bauchumfang. Auch nicht Frauen. (Verschleißt er gerade Nummer 5 oder ist er schon bei 6 angelangt?). Nein, PENSIONEN! Abkassieren in Hessen, als Ex-Abgeordneter und Ex-Minister, jetzt im Bund. Und weil ein Ministergehalt nicht reicht, auch noch als Abgeordneter. Ja, Joschka, die 200.000 Euro im Jahr nimmt man doch gerne mit!

Jürgen Trittin

Auch jemand, der bei einer Partei Mitglied ist, die einstmals die Trennung von Amt und Mandat verkündet hat. Aber das betrifft nur das Fußvolk. Minister-Amt (und Gehalt) verträgt sich sehr gut mit Abgeordneten-Mandat (und Diäten). Da kann unser Umwelt-Jürgen problemlos zu seinem Friseur nach Frankreich fliegen. (Wer bezahlt das eigentlich?) Fliegen, natürlich. Nur gewöhnliche Bürger möchten doch bitte aufs Fahrrad umsteigen, um die Umweltverschmutzung zu reduzieren. Zudem hat der Mann einen ruhigen Job. Sein Name verbindet sich mit dem Flaschenpfand (Flasche ist Flasche - leider nicht beim Pfand-Chaos. Hat er damit seine Parteifreunde gemeint?). Die Regelung hat er von seinem Vor-Vorgänger Klaus Töpfer geerbt und es nicht geschafft, sie auch nur in Kleinigkeiten zu korrigieren. (Schuld daran ist selbstverständlich nur der böse Bundesrat.) Dann wäre da die Öko-Steuer. Die wurde schon 1998 im Koalitions-Vertrag festgeschrieben, erforderte also ebenso wenig Gehirnschmalz eines amtierenden Ministers wie die Abschaltung der Kernkraftwerke. Was Jürgen Trittin aber nicht daran hindert, auf Regierungskosten Riesenparties zu schmeißen, wenn mal so ein Atommeiler stillgelegt wird. Unterm Strich gibt es in sechs Jahren Regierungszeit nichts, was dieser Minister angeregt oder gar ersonnen hätte. Trotzdem hat er für seine Leistungen einen Haufen Geld eingestrichen. Ja, es geht ihm gut, unter Freund Gerd.

Manfred Stolpe

Der hat als Verkehrsminister einen wesentlich ruhigeren Job. Früher war er mal Ministerpräsident von Brandenburg. Da gab es weniger Geld und er trug richtig Verantwortung. Damals wäre ihm so etwas wie "Toll-Collect" (Warum hat dieses deutsche System einen englischen Namen? Wollte damit jemand prophylaktisch andeuten, daß es sich dabei keinesfalls um deutsche Wertarbeit handelt?) übel angekreidet worden. Heute sind die Firmen schuld und dem nicht zuständigen Minister geht es gut.

Johannes Rau

Damit der in seinen Posten zementierte Ministerpräsident von NRW endlich seinen Sessel räumt, hat "man" ihm die Austragstelle als Bundespräsident angedient. "Bruder Johannes" hat das Amt aus christlicher Nächstenliebe angenommen und zusätzlich zur vollen Pension als ehemaliger Ministerpräsident die Bezüge als Bundespräsident gnädig eingesteckt. Letztere laufen als Ehrensold in voller Höhe bis ans Lebensende weiter. Als Bundespräsident setzte "Tschäi Arr" fast so viele Akzente wie weiland Heinrich Lübke. Nur in seiner letzten Rede unterlief ihm ein Selbstbekenntnis: dort geißelte er nämlich das "Am Posten Kleben" und das "Abkassieren". Selbstverständlich nur der ANDEREN. Aber von der schwachen Leistung des Vorgängers profitiert Horst Köhler, denn der kann es mühelos besser machen. Bei mehr als 30.000 Euro monatlicher Pensionen braucht Johannes Rau jetzt natürlich ein Schloß zum Wohnen. Standesgemäß, wenn es einem so gut geht.

Thomas Gottschalk

Das ist der Typ, der in seiner Dauerwerbesendung "Wetten daß...?" auf Kosten des Gebührenzahlers Gäste vorführt, die damit ihren Wert als Werbeträger erhöhen. Obwohl er in anderen Sendungen nicht sonderlich erfolgreich war, wird er zum "Quotenkönig" hochstilisiert. Und weil das noch nicht reicht, kassiert Thomas G. (auch gerne mit Bruder) noch in der Werbebranche ab. Natürlich stört es einen (noch) in den USA lebenden Multimillionär nicht, wenn in Deutschland Arbeitslose höhere Fernseh-Gebühren bezahlen müssen, deshalb hat er diese auch vehement befürwortet. Wenn er bei so gewaltig sprudelnden Einnahmen wieder ins freigiebige Vaterland zurückkehrt (in drei Jahren), dann darf es auch gerne ein Schloß als Wohnsitz sein. Vielleicht sollte man diesen Mann mal 30 Tage in Einzelhaft bei Wasser und Gummibärchen einsperren, damit er merkt, wie gut es ihm geht.

Günther Jauch

"Wer wird Millionär?" und "Stern-TV" reichen nicht. Nebenbei kassiert er in nerventötenden Werbespots und tritt auch gerne privat auf - für Abendgagen, für die ein Arbeitnehmer zwei Jahre richtig ranklotzen muß. Ja, unserem ach so jungenhaft aussehenden Star-Moderator geht es gut. Das Geld, das weniger Betuchte in der Klassenlotterie versenken, sprudelt wenigstens zum Teil auf sein Konto. Als sicherer Gewinner machen Lotterien Spaß... Günther Jauch spielt in der gleichen Liga wie sein ehemaliger Bayern-3-Komoderator Thomas Gottschalk. Und wie jener holt er auch noch dort, wo für andere schon nichts mehr zu holen ist. Karstadt/Quelle muß Leute entlassen und Filialen schließen, aber T.G. kassierte bei Neckermann und G.J. bei Quelle - für diese beiden Herren war noch genug Geld da.

Verona Pooth (ehemals Feldbusch, geschiedene Bohlen)

Werbe-"Ikone" und Nervensäge der Nation. Stellt nichts dar und hat es bislang nicht geschafft, mit Fernsehauftritten, die länger als 30 Sekunden dauern, Erfolg zu haben. Persönlich vermeide ich alles, wofür diese Dame wirbt. Es gibt schließlich noch eine andere Telefonauskunft als die mit der "Null Ahnung". Trotz ihrer mangelnden Befähigung hat diese Dame laut Regenbogenpresse 15 Millionen Euro auf ihrem Konto angescheffelt - es geht ihr also gut. Viel besser als vorher, in ihrer Ehe mit Dieter Bohlen. Ob der sie wirklich geohrfeigt hat, weiß ich nicht - aber ein anständiges Schmerzensgeld hat er bestimmt bezahlt.

Bernd Pischetsrieder

Das war der Manager, der bei BMW Milliarden in Rover versenkt hat und schließlich gehen mußte. BMW hat mit der Familie Quandt einen Großaktionär, deshalb werden dort Fehler korrigiert und die Vorstände kassieren nicht ganz so üppig. Als Belohnung für seine großartigen Leistungen bei BMW regiert Herr Pischetsrieder jetzt bei VW. Die neue Firma ist größer, zahlt besser und... bietet Platz für neue Experimente und Visionen. Kein Zweifel, Herrn Pischetsrieder geht es heute besser.

Peter Hartz

Dieser Mann ist nicht nur Namensgeber für zweifelhafte und zumeist erfolglose Regierungskonzepte, nein, er ist auch Personalmanager bei der Firma VW. Das heißt, er ist Vorstandsmitglied einer im DAX notierten Aktiengesellschaft. Was gleichbedeutend damit ist, daß es ihm unter Schröder besser geht als jemals zuvor. Obwohl in den letzten sechs Jahren immer nur von "Krise" und "schlechten Aussichten" die Rede war, und folgerichtig gespart wurde - bei den Arbeitnehmern - erhielten die Vorstände von Unternehmen Gehaltssteigerungen wie zu besten Wirtschaftswunder-Zeiten. Ja, auch Peter Hartz, aber nicht nur er. Alle. In der Chefetage, natürlich. Bei den Malochern, dem gewöhnlichen Fußvolk, kam davon nichts an. Aber denen da oben, dort, wo die Fehler begangen werden, die den Unternehmen Milliarden kosten, denen geht es prächtig.

Klaus Eszer

Ja, das war jener Spitzenmanager, der ein deutsches Traditionsunternehmen (Mannesmann) erfolgreich in ausländische Hände gespielt hat. Ob die Ausländer nun in Deutschland Stellen abbauen, ist diesem Mann egal. Er hat 30 Millionen Euro kassiert und ihm geht es gut. Dieses Geld hat er nicht etwa dafür bekommen, weil er ein so grandioser Manager ist, nein, im Gegenteil. Dieses Geld wurde bezahlt, damit er ja nicht auf die Idee kommt, künftig für die Sieger arbeiten zu wollen. Und die wissen, warum ihnen das so viel Geld wert war!

Habe ich jemanden vergessen?

Ja! Bestimmt! Auf meiner Liste sind ja nur elf Namen. Elf Namen, stellvertretend für viele Ungenannte. Liegt es an meiner politischen Einseitigkeit, daß ich oben nur SPD und Grüne aufgeführt habe? Nein! In der Regierung geht es einem nun mal besser als in der Opposition. Selbst solche Leute wie "Was sind denn schon 10 Euro"-Seehofer, die als Abgeordnete und Ex-Minister prächtig abkassieren, haben heute weniger (offizielle) Einkünfte wie einst als Abgeordnete und amtierende Minister. Aber keine Sorge, Sie müssen nicht für diesen Herrn sammeln, denn selbst dieses "Weniger" ist immer noch mehr als das 20-fache von "Hartz IV", inklusive der Miet- und Heizkosten.

Ja, es geht in Deutschland vielen Menschen besser. Wobei diese "Vielen" jedoch nur einen verschwindenden Prozentsatz der Bundesbürger darstellen. Die anderen Leute haben Angst vor der Zukunft, Angst um ihren Arbeitsplatz und Angst um ihre Existenz.

Doch im Namen der Wenigen sage ich gerne das, was laut Gerhard Schröder die Bild-Zeitung groß aufs Titelblatt drucken sollte:

Danke, Kanzler!


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