010 - Neujahrsgebet

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31312 010 - Neujahrsgebet - tarman 06. April 2012 00:15:04

Lieber Gott, Schöpfer des Universums und der Erde! Auch wenn unsere deutsche Obrigkeit freiwillig auf Deine Hilfe verzichtet und beim Amtseid gerne auf jenen kleinen Zusatz "so wahr mir Gott helfe" verzichtet - gewähre ihnen Deine Hilfe trotzdem in gnädiger Großmut. Wir alle sind nur kleine, fehlbare Menschen, auch wenn unsere Amtsträger das in Stolz und Hochmut übersehen. So sie nicht einmal im Verborgenen den Weg zu Dir finden, laß mich für sie und unser armes, von ihnen geplagtes Land fürbitten.

Oh Herr des Himmels, gewähre Bundespräsident Horst Köhler eine große, bewegende Rede und die Gnade, daß seine Anregungen und Ermahnungen Früchte tragen und tatsächlich umgesetzt werden. Gewähre ihm die Macht und den Einfluß, Deutschland tatsächlich zu verändern. Laß ihn, anders als seinen müden Amtsvorgänger, wirklich etwas anstoßen in diesem Land.

Vergib Bundeskanzler Gerd Schröder sein Zögern und Zaudern, daß er nicht schon 1998 angefangen hat, das anzupacken, was für Deutschland getan werden muß. Gib ihm die Kraft, sechs verlorene Jahre aufzuholen und den Mut, es diesmal richtig zu machen. Laß ihn seine Fehler einsehen und zu unser aller Wohl korrigieren. Auch wenn er zu jenen gehört, die öffentlich nicht um Deine Hilfe bitten, gewähre sie ihm. Hilf ihm, künftig handwerkliche Fehler zu vermeiden, tausche seine ruhigen Hände gegen eine geschickte und eine glückliche Hand.

Kröne Außenminister Josef Fischer als Joschka I. zum Kaiser, Zar oder Über-Papst seines eigenen Staates. Laß all jene, die ihn laut Umfragen so sehr lieben und für einen fähigen Politiker halten, in diesen Staat auswandern und künftig unter dem Zepter seiner Weisheit und Gerechtigkeit leben. Hebe die Beschränkungen der Einehe für ihn auf, und verleihe ihm Gesundheit, sein Land mit eigenen Nachkommen zu bevölkern. Laß die Austern, die er so gerne ißt, doch einmal wirken und beschere ihm einen kleinen Josef, der dann als Joschka II. zuerst das Taxi seines Vaters und dann seinen Thron erben kann.

Oh Herr, gib jenen Deutschen, die mit 50 schon zu alt sind für einen Job, die Gesundheit und den Elan, die einen Innenminister Otto Schily auszeichnen, der sich auch jenseits der 70 noch jung genug fühlt, um in diesem Land für Ordnung zu sorgen. Laß ihn ein leuchtendes Vorbild sein für jene Personalchefs, die schon 40-jährige nicht mehr einstellen wollen.

Gewähre Verkehrsminister Manfred Stolpe Erfolg bei der Einführung der Lkw-Maut. Verzeihe dem alten Mann auf der Austragstelle die Untaten seiner Vergangenheit in der DDR und seine Fehlgriffe als Ministerpräsident. Bestrafe ihn, falls Du es mußt und er selbst nicht Deine Vergebung erfleht, aber bestrafe nicht durch ihn unser ganzes Land und Volk.

Gestatte Finanzminister Hans Eichel jene Sparsamkeit, die er für sich selbst an den Tag legt, bei seinen Ministerkollegen durchzusetzen. Gewähre ihm und seinen Kollegen die Einsicht, daß alles Geld, das sie ausgeben, zwar letztlich von Dir kommt, Du es aber jenen Menschen gegeben hast, die es im Schweiße ihres Angesichts erarbeitet haben, nach Deinem Gebot. Laß jene, die dieses Geld wieder ausgeben, nachdem sie es zuvor als Steuer eingetrieben haben, die Mühe und Anstrengung erahnen, mit der dieses Geld einst verdient wurde.

Schenke Bundesumweltminister Jürgen Trittin für vier Wochen einen Ein-Euro-Job in der Flaschenrücknahme eines großen Getränkemarktes, auf daß er hautnah die Vorzüge seines Pfandsystems erlebe und so Einsichten aus erster Hand gewinne. Bessere sein Gedächtnis, auf daß er sich immer an diese Zeit erinnere, wenn er sich danach wieder zu den Höhen seines Ministeramtes aufschwingt. Und bewahre ihn vor dem Zorn des Volkes, dem er bei dieser Arbeit ohne Leibwächter gegenüber treten muß.

Gib der CDU-Vorsitzenden Angela Merkel mehr Glück und Geschick im Umgang mit den Leuten ihrer eigenen Partei. Laß sie zu einer wirklichen Vorsitzenden reifen, die Mitarbeiter begeistert und inspiriert, statt sie zu verunsichern und zu vergraulen. Gewähre ihr Einsichten und Ideen, konstruktive Oppositionsarbeit zu leisten, anstatt nur unreflektiert gegen alles zu sein, was die Regierung vorschlägt, um bei den meisten Gesetzen dann doch brav mitzustimmen. Ja, Herr, ich weiß, daß nach Deinem Ratschluß nur erstklassige Anführer erstklassige Mitarbeiter haben, während zweitklassige Menschen in Spitzenpositionen nur drittklassiges Personal um sich scharen. Doch dies ist das Land, in dem Du uns leben läßt. Du allein hast die Macht, Herz und Verstand der Obrigkeit zu bessern, und darum, Herr, bitte ich Dich.

Schenke Ministerpräsident Edmund Stoiber Einsicht, Wissen und Weisheit. Einsicht über seine Akten hinaus, in die Probleme seines Landes. Wissen um die rechten und gerechten Lösungen, auf daß Sparsamkeit nicht zu unreflektierten Schnellschüssen entarte, sei es bei der 42-Stunden-Woche für Beamte oder der Verlagerung von Behörden. Gewachsene Strukturen zu erhalten, ist die Tugend des Konservativen, und auch nur dort Hand anzulegen, wo das lange Gewachsene nicht mehr zu tragen vermag. Gewähre ihm die Weisheit des Alters um die eigenen Möglichkeiten. Jene Weisheit, den eigenen Ehrgeiz zurückzustecken und statt neue Ämter anzustreben, jene gut auszufüllen, in welche Du ihn bereits eingesetzt hast.

Beglücke Ministerpräsidentin Heide Simonis mit einer Privataudienz bei der Queen von England, auf daß die beiden Damen sich ausgiebig über Hutmode austauschen können. Schenke ihr ein neues Hobby und den verdienten Ruhestand, auf daß sie ihre Pension genieße und keinen weiteren Schaden mehr anrichte.

Laß Horst Seehofer einmal, für eine einzige Stunde nur, das zustoßen, was Du Deinem Diener Hiob auferlegt hast, auf daß er den Wert von zehn Euro erkenne. Errette ihn gnädig aus dieser Gefahr, verschone ihn an Leib und Leben, doch gewähre ihm Einsicht und Erkenntnis. Brich seinen Hochmut und Starrsinn, doch schenke ihm die Kraft und die Möglichkeiten, die erlangte Weisheit zu vermitteln, sobald er auf den rechten Weg zurückgekehrt ist.

Steigere die Leistung der deutschen Manager, auf daß sie damit ihre Gehälter in dem Bewußtsein entgegennehmen, diese auch verdient zu haben. Denn nur Du, Herr über die Zeit, kannst ihnen jene 300- oder 500-Stunden Arbeitswochen gewähren, die jener Bezahlung zugrunde liegen. Nimm ihnen nicht den Lohn, sondern schenke ihnen das gerechte Maß an Arbeit, das diesem Lohn entspricht. Und lasse sie teilhaben an den Sorgen und Nöten der ihnen anvertrauten Arbeiter. Ersetze die Manager durch Chinesen, wo sie ihre Arbeiter durch Chinesen ersetzen. Schicke sie in Armut, wo sie ihre Arbeiter in Armut schicken. Handle an ihnen, so wie sie an jenen handeln, die sie führen sollen. Denn das, oh Herr, empfände ich als Gerechtigkeit auf Erden.

Herr, sende Harald Schmidt die Erkenntnis, daß er für das Geld, das er dem Gebührenzahler des deutschen Fernsehens kostet, wirkliche Leistung schuldet. Niemand sollte für schlechte Sendungen mit niedrigem Niveau gutes Geld einstreichen, Geld, das aus dem berühmten "Scherflein der Witwe" kommt. Weder ein Harald Schmidt noch ein Thomas Gottschalk. Herr, gib den Fernsehgewaltigen Einsicht und Erkenntnis, uns Zuschauer nicht immer nur die immer gleichen Gesichter zu präsentieren. Denn jene, die sich einst bemühten, sind satt geworden vom Erfolg. Doch statt jetzt, wo sie den Zenit ihres Könnens überschritten haben, zurückzustecken und neuen, besseren Leuten die Bühne zu überlassen, füllen sie sich noch ihre Taschen mit lustlosen Auftritten.

Herr, verschone uns in Zukunft mit bekannten Gesichtern in der Werbung. Ob Günther Jauch, Franz Beckenbauer, Verona Feldbusch oder Udo Jürgens - ihre Gagen verteuern nur unnötig die beworbenen Produkte, ohne sie um den Bruchteil eines Prozents zu verbessern. Sende uns gute Produkte, keine Gesichter, die das aufwerten sollen, was anderweitig nicht zu verkaufen wäre.

Herr, in unser Land sind Menschen gekommen, die hier nicht wirklich leben wollen. Die weder Sprache noch Sitten dieses Landes annehmen wollen, sondern ihrer Heimat treu geblieben sind in allem, nur nicht im ständigen Aufenthalt. Wer als Deutscher unter Deutschen leben will, ist uns willkommen. Er mag seine Kultur pflegen und seine Religion ausüben, als Deutscher mit türkischen, russischen oder französischen Vorfahren. Wer sich jedoch nicht integrieren und für alle Zeiten und Generationen Ausländer bleiben will, der ist hier fehl am Platze. Herr, führe diese Leute zurück an jenen Ort, an dem sie nach ihrem Herzen leben wollen. Gib ihnen dort alle Chancen, die sie hier bei uns suchen. Gewähre ihnen den erwünschten Wohlstand, das sorgenfreie Leben, dort, in ihrer vertrauten Umgebung. Lasse sie heimkehren, dorthin, wo sie zu leben wünschen. Erspare ihnen das Schicksal, Fremde in einem Land zu sein, in dem sie nie wirklich angekommen sind, und zugleich Fremde in ihrer Heimat zu werden, die sie doch nur physisch verlassen haben.

Oh Herr, gewähre jedem Arbeitslosen, der von Hartz IV bedroht wird, einen so verständnisvollen Arbeitgeber wie RWE. Einen Arbeitgeber, der Vergütungen und Abfindungen bezahlt, der keine Leistung einfordert, und bei dem ehemalige Mitarbeiter wie Laurenz Mayer oder Hermann-Josef Arentz jederzeit wieder willkommen sind. Einen Arbeitgeber, der nicht daran denkt, solche wertvollen Angestellten durch Chinesen zu ersetzen und ihre Arbeitsplätze zu verlagern, sondern im Gegenteil das Füllhorn der Großzügigkeit über sie entleert. Und, oh Herr, gewähre diese Großzügigkeit auch jenen Arbeitern, die keine Nebenerwerbs-Politiker sind.

Erspare uns, oh Herr, in diesem Jahr die Flut von "Auto"-Biographien. Wer Boris Becker, Oliver Kahn oder Franziska van Almsick im Fernsehen gehört hat, merkt schnell, daß deren Ghostwriter ganz anders schreiben als diese sprechen. Erspare uns deren Ansichten, wonach sie so hart gekämpft haben und sich durchsetzen mußten, gegen alle Widerstände. Denn in keinem dieser Bücher steht, wer deren Aufstieg gefördert und sie mit Geld und Einfluß unterstützt und hochgejubelt hat. Nach ihrem Lebenswandel sind sie alle keine Vorbilder, und wenn sie diesen auch noch so zu beschönigen versuchen. Einstmals hießen solche "Auto"-Biographien Memoiren und wurden gegen Ende eines langen Lebens verfaßt, um der Nachwelt Erfahrungen und Weisheiten zu hinterlassen. Seit den unsäglichen Machwerken eines Dieter Bohlen wissen wir, daß es heutzutage ausreicht, Zoten und Kollegenschelte aufzuhäufen, um die Leser zu beglücken. Statt Lebensweisheit wird Selbstdarstellung gedruckt und von Sockenverkäufern, die zufällig im Verlagswesen gelandet sind, für den schnellen Euro auf den Markt gebracht. Herr, erspare uns in Zukunft solche Bücher!

Verschone uns außerdem vor Retortenstars wie Daniel Küblböck oder Lorenzo, die nur leere Hüllen sind, mit deren Beliebigkeit Geld verdient wird, durch ständige Präsenz in den Klatschmedien. Verschone uns vor niveaulosen Sendungen wie Dschungelcamp, The Swan oder Big Boss, in denen Geschmacklosigkeiten und künstliche Realitäten gezeigt werden, oder die Kandidaten sogar eine Selbstverstümmelung gewinnen können, zur Freude des johlenden Publikums. Ist dieses Land wirklich so abgewirtschaftet, daß dies seine Kultur ist? Herr, erlöse uns davon! Verschone uns vor seichten Talkshows, die doch nur den Klatsch in der Nachbarschaft ersetzen und so zwischenmenschliche Beziehungen zerstören. Behüte uns vor Gerichtsshows, in denen doch nur gezeigt wird, daß die Menschen ohne fremde Autoritäten nicht mehr miteinander leben können.

Herr, dies ist Deutschland, jenes Land, daß sich Dir einst als Heiliges Römisches Reich geweiht hatte. Herr, Du schufst ein schönes Land, auch wenn es schwere Zeiten ertragen mußte. Deshalb, oh Herr, sende den Abkassierern in diesem Land ein Gewissen, auf daß sie ihre Fehler einsehen. Sende unseren Führern Verstand und die Weisheit, diesen zu gebrauchen, für ihr Amt, nicht dazu, um die eigenen Taschen zu füllen. Herr, noch findest Du viele Gerechte hier in diesem Land. Nicht unbedingt in den Palästen der Reichen oder den Parlamenten, doch draußen, im Volk. Noch findest Du genügend, anders als in Sodom und Gomorrha. Herr, laß diesen Gerechten Gerechtigkeit widerfahren. Herr, dies ist Deutschland, ein gutes Land mit guten Menschen, das nur schlecht und selbstherrlich geführt wird. Das Volk ist arbeitsam und fleißig, wenn ihm die Früchte dieser Arbeit belassen werden. Herr, erbarme dich dieses Volkes!

Herr im Himmel, ich bitte Dich um ein gutes neues Jahr!


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