Daniel? : - )


Zukunftsforum


Geschrieben von BBouvier am 13. Juni 2010 20:52:39:

Als Antwort auf: Re: eine Schauung geschrieben von Rumpelstielzchen am 13. Juni 2010 18:14:44:

>Hallo.
>=> aus der Zeit der Diadochenreiche und erst: nach "Alexander Der Grosse".
>Siehste, DAS wusste ich noch nicht.
>Danke!
>LG.

Hallo, Rumpelstiezchen!

Du hast es offenkundig so gewollt, *gg*! : - )
=>
Zu „Daniel“ ist folgendes zu sagen:
=>
Von diesem "Daniel", der angeblich fast ein halbes
Jahrtausend vor dem griechischen Diadochenkönig
(Jener über Palästina und Umgebung),
als Antiochos IV. Epiphanes
dort von 215 bis 164 v. Chr. herrschte und
(angeblich) die Juden mächtig quälte,
hatte vorher noch je Einer etwas je gehört!

Im Tempel liess Antiochus angeblich ein Schwein (!)
aufstellen:
=>
"Ein Greuel der Verwüstung"

Und kurz vor desen Ende (gegen 163 "vor")
haben sich Welche diesen "Daniel" mal fix
aus den Fingern gesogen.
Zum Trost.
Und ihm dann allerlei "Prohezeiungen" angedichtet,
die sich bis 163 "vor" sehr schön auch
(logisch, nicht wahr?) als "völlig richtig" erwiesen haben.
Bis hin zu präzisen Angaben, wie:
"...und ...das tägliche Opfer abgetan...sind 1290 Tage...
...Greuel der Verwüstung aufgerichtet...etc..."
Und das wars auch schon!

Aber die damaligen Bildzeitungsleser waren nun echt baff:
"Ein geradezu grandioser Seher, dieser Daniel!!!
Hat er doch vor einem halben Jahrtausend ganz genau
das prophezeiht, was letzte Woche in der Zeitung stand!
Einschliesslich der korrekten Tagesangaben!!!"

Im übrigen ist dieser "Daniel" älter als 120 geworden,
er wurde noch als Hundertjähriger Ministerpräsident
unter Darius, und Darius hat dann befohlen,
alle Untertanen sollten im ganzen Perserreich
nur noch den Judengott Jahwe verehren...etc...etc...

Und diese ganze "Prophezeiung" endet mit
(Kapitelüberschrift 10./11. Kapitel):
"Offenbarung der Weltreiche
bis auf Antiochus Epiphanes." (!!!)

Und das wars auch schon.

Kannste doch echt in der Pfeife rauchen!
Auch hier hilft Selberdenken.


Das Babylonische Reich war Grossmacht unter Nebukadnezar II.
(605-562v.Chr.)
Und es endete unter dem Perserkönig Kyros 539v.Chr.
Das später dem Daniel zugeschriebene Buch ist jedoch erst
165v.Chr. geschrieben worden!
Halten wir fest:
Die Perser vernichten das Babylonische Reich.
Der griechische König Alexander unterwirft ab 334v.Chr.
wiederum das Perserreich, das in mehrere Diadochenreiche
zerfällt:
Ptolemaierreich
Seleukidenreich (der Grieche Antiochus Epihanes regiert Israel, -
die Juden jammern aus vollem Halse)
Partherreich
Makedonien
Das lässt sich im Jahre 163v.Chr. nun recht unschwer
„prophezeien“:
Ist einfach rückdatiert auf Daniel!

Und des weiteren:
Zur Steigerung der Dramatik dieser "Story"
muss nun der arme Daniel auch noch in Ohnmacht fallen:
--Versteht nur Keiner, wieso eigentlich??
(Ein Phänomen, das mir bei aber- und aberhunderten
von Schauungsberichten noch nicht untergekommen ist.)
Und dann erfindet der Erzähler auch noch ein Gespenst,
das den Daniel anfasst und aufrichtet.
Auch so etwas ist unerhört:
Ein materielles Gespenst!
Geht aber noch weiter:
Anschliessend ist Daniel auch noch ein paar Tage krank!:
Nur, wegen dieser Schau.
(Entschuldigung, da fällt mir was von Busch ein:
"3 Tage war das Fröschlein krank, - nun hüpft er wieder, Gott sei Dank!"
Und mehr ist da auch nicht dran.)
Lässt sich aber noch steigern:
"Du sollst das Gesicht geheim halten"
Dass mal Alexander das Perserreich unterwirft,,
wird zur Top-Secret-Sache gemacht.
Im Jahre 163v.Chr, als diese Geschichte erfunden wurde,
hat natürlich jeder Jude verstanden, wovon die Rede da ist.
War ja erst 130 Jahre her!

Etwa so, als wenn heute Einer was von Kaiser Wilhelm liest.
Im übrigen hält sich der Daniel in dieser erfundenen Geschichte
nicht an das Gebot
- logisch, dann wäre ja der ganze Witz der Erfindung weg,
und Niemand hätte was zu staunen -,
aber auch, um sie recht "wichtig" zu machen,
und so wird das "Geheimnis, von dem niemand was wissen darf"
in die Thora übernommen und am Sabbat öffentlich vor Publikum verlesen:
SO! "Geheim"!
Die Erfinder haben aber immer noch ein flaues Gefühl
bei ihrer Schandtat. Vielleicht fliegt ihr Machwerk doch auf??
Und als "Gütesiegel", und um mit Patina auf: "echt alt, das!"
zu schönen, setzen sie noch fix ans Ende:
"ist noch eine lange Zeit bis dahin"
Richtig:
Von der Vernichtung des Babylonischen Reiches
bis zum Verfassung dieser gefälschten Schau
vergingen 430 Jahre. = "eine lange Zeit".

Der historisch unbedarfte Leser dieser Klamotte heute
staunt jedoch nicht mehr, der Effekt ist dahin.
Weil niemand mehr die Diadochenreiche kennt.
Der damalige Hörer war jedoch baß ergriffen:
"Toller Typ, dieser Daniel!"
Und das war ja auch der Sinn und Zweck.
Hab schon mal ne US-Auslegung gelesen:
Das war der Ziegenbock die USA!!
Liegt am mangelhaften Schulunterricht dort:
Bei Denen fängt die Welt-Geschichte ja mit der Mayflower erst an.
Dass der Bock Grieche (Alexander) ist, das hat dort der Autor der besseren
Passung wegen wiederum SEINEN Lesern unterschlagen.
(Fälscher unter sich...)

Was den „Tempel“ betrifft, so ist auch
hier Geschichtswissen hilfreich:
Der (erste, und DER ist gemeint!)
Tempel wurde 586 v. Chr.
durch Nebukadnezar II. zerstört.
Und der Neubau wurde 169 v. Chr. entweiht und dann
von Judas Makkabäus wiederhergestellt.

Und genau
DAS
wurde als "Prophezeiung"
einem frei erfundenen "Daniel"
(der ein halbes Jahrtausend vorher angeblich
gelebt haben soll)
dann zeitgleich zuerfunden:
=>
"Ein Wunder!"

Im ganzen "Daniel" ist nichts zu lesen, was
nicht zwischen Nebukadnezar II. und der
Gegenwart zur Zeit der Niederschrift
dieser Prophetiefälschung (um 163 v.Chr)
bereits Geschichte gewesen wäre.

Wikipedia lässt sich dazu folgendermassen aus:
=>
"In der historisch-kritischen Bibelforschung
werden diese Angaben meist nicht als historisch,
sondern als legendarisch beurteilt.
Sie sollten Daniels später berichtete (!) Visionen
als vorausgegangene Prophezeiungen darstellen
(vaticinia ex eventu).
Im Buch beschriebene Details beziehen sich
auf Vorgänge aus der Makkabäerzeit,
als die Fremdherrschaft der Seleukiden
das jüdische Volk bedrohte.
Deshalb wird angenommen,
dass das Buch in dieser Zeit entstand
und bald nach den siegreichen ersten Aufständen
gegen Antiochos IV. fertig gestellt und
- eventuell mehrfach - überarbeitet wurde.
Für diese Spätdatierung spricht auch,
dass das Buch im Judentum lange umstritten blieb
und nicht zu den „Propheten" (Neviim),
sondern zu den späteren und theologisch weniger bedeutenden „Schriften"
(Ketubim) gezählt wurde."

Um den Sachverhalt zu verdeutlichen, verlege ich diese ganze Geschichte
von 163 v .Chr. mal in die Gegenwart:

Das käme jetzt Jemand mit einer Geschichte und behauptete,
während der Regierung Königs Ludwig XIV. sei in Frankreich
ein Farbiger namens Adullah Djihad Ministerpräsident gewesen.
Vorher war er Sklave am Hofe und stamme aus Mauritius.
Und in das Amt des frz. Ministerpräsidenten berufen als gut Hundterjähriger.
Und nach einer gescheiterten Intrige gegen ihn habe der französische König
die Franzosen dazu aufgerufen, Allah zu verehren.

Und dieser Abdullah habe im Jahre 1695 u.a. folgendes vorhergesagt:
=>
die französische Revolution von 1789
das Scheitern Napoleons vor Moskau 1813
die Einigung Italiens unter Garibaldi ab 1849
den russischer Verkauf Alaskas an die USA 1867
die Eröffnung des Suez-Kanals 1869
die eutsche Reichsgründung von 1871 unter Kaiser Wilhelm
die Neugründung Polens durch Deutschland 1917
denVerlust Indochinas durch die Franzosen 1954
die Ermordung Kennedys 1963
das Challenger-Unglück 1986
das Dosenpfand Trittins 2002
Frau Merkel deutsche Kanzlerin der Grossen Koalition 2005
den 2. Platz Frankreich bei der Fussball-Weltmeisterschaft 2006
die Debatten wegen umstrittener Papstäusserungen zu Williamson 2008
den Rechtsruck bei den Wahlen in Israel im Frühjahr 2009
der US-Präsident stockt Besatzungstruppen in Afghanistan auf
das kalte Schmuddelwetter in Bayern bis Ende März

Und darüber hinaus rein gar nichts!!

Wem, - meint ihr – könnte man diese „Prophezeiungen“
wohl als „echt“ verkaufen?

Gruss,
BB





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