Re: Polwanderung...


Zukunftsforum


Geschrieben von DvB am 26. September 2010 23:06:37:

Als Antwort auf: Re: Polwanderung... geschrieben von detlef am 26. September 2010 02:03:31:

Moin detlef!

>>>vom jetzigen suedpol bis zu den aleuten sind rund 150°. (den neuen nordpol anzugeben ist witzlos, da der irgendwo im suedatlantik sein wird.
>>Ach so. Normalerweise würde ich davon ausgehen, daß es keine Rolle spielt, was für ein Pol das ist. (Von Magnetpolen reden wir ja eh net - wäre halt nur sternbildmäßig relevant.)
>jein.
>eine vertauschung der magnetpole duerfte hauptsaechlich wale und zugvoegel tangieren.
>(eine verlagerung der magnetpole koennte schon ernstere probleme bringen. wenn naemlich ein pol zur sonne zeigt, und somit eines der "loecher" im schutzguertel der erde dem sonnenwind geoeffnet waere.)
>geographisch spielt es nachher keine rolle, welcher pol wo ist. - solange die erdachse einigermassen unveraendert in ihrem winkel zur sonne bleibt.

Es ist sonnenwindmäßig egal, ob ein magnetischer Pol zur Sonne zeigt. Die geladenen Teilchen sausen sowieso auf die magnetischen Pole. Die bewegen sich doch an den Feldlinien entlang. Bei hoher Sonnenaktivität gibts dann Polargelichter.

Ich geh mal davon aus, daß die magnetischen Pole sich einfach umpolen können. Anscheinend ist das in der Erdgeschichte ja eh der Standard.

Ich gehe davon aus, daß, soweit wir hier von einem Nordpol reden, dieser sich allein dadurch auszeichnet, daß er sich bei der Draufsicht gegen den Uhrzeigersinn dreht und wir die magnetische Polung vollkommen ignorieren, um uns nicht sinnlos zu verfransen.

Das bedeutet, eine Umpolung findet auf diese Weise zum Beispiel dadurch statt, daß die Eigendrehung der Erde anhält und in Gegenrichtung neu ansetzt.

Soweit ich Deine Gemüsedosendebatte mit BB verstehe, ist das auch genau Deine Intention - wobei Du aber davon nichts weißt, weil Du nur die Beibehaltung der Eigendrehung betrachtest und diese mit einer 150°-Verlagerung überlagerst. Aber diese 150°-Drehung ist im Grunde nicht machbar. Du weißt doch, daß ein Drall stabilisierend wirkt. Genauso, wie ein Kreisel der Erdanziehungkraft trotzt, wenn er sich dreht. Dem kannst Du sogar nen Tritt verpassen, daß er 20 m weit fliegt, ihn umschmeißen usw. - solange der sich dreht, richtet er sich brav immer wieder auf. Bei dem sind auch die 30° Neigung völlig unmöglich. Natürlich hängt das auch mit seiner Bauform zusammen und seine Rotationssymmetrie ist eben genauer festgelegt als bei einer Quasikugel - und es gibt ein Zusammenspiel zwischen dieser und der Erdanziehungskraft. Bei der Erde selber fallen diese beiden Aspekte weniger ins Gewicht. Trotzdem wirkt der Drall stabilisierend und, um ihn auf eine neue Achse zu ändern, ist weit mehr Energie notwendig, als dies für eine Ausrichtungsänderung einer nichtdrehenden Kugel nötig wäre.

Wir gehen halt davon aus, daß die Erde meinetwegen aufgrund neuer innerer Masseverteilung eine neue Rotationssymmetrie erhält, dann ist es kein Problem, daß sie eine um 30° versetzte Rotationsachse erhält (mittelfristig würde sich diese dann durch das Zusammenspiel mit dem Mond von ganz alleine einstellen). Aber eine AufdenKopfstellung scheint mir dabei vollkommen ausgeschlossen. Man bräuchte dazu ja eine ungeheure Gewalt, die diese stabilisierende Wirkung überwindet. Die müßte nun wiederum plötzlich auftreten (nicht über 3 oder 7 Tage verteilt), dann träten noch ganz andere Bescheunigungen auf der Erdoberfläche auf...

Oder wir gehen davon aus, daß die neue Rotationssymmetrie nicht schlagartig hergestellt wird, sondern insoweit als Prozeß auftritt, als so eine schrittweise Poländerung auch über den Äquator hinweg möglich würde. Das klingt bloß sehr danach, daß eine Masse an zielgerichteten Ereignissen stattfinden müßten, um das so hinzubekommen. Im Sinne einer planlos handelnden Natur wäre das schwer vorstellbar. Und was ein höheres Wesen mit solch einer Maßnahme bezwecken sollte, leuchtet auch nicht so recht ein.

Was ich sagen will, ist: "kosmische Machbarkeiten" sind unterschiedlich wahrscheinlich. Ein Kippen der Achse um 30° ist wahrscheinlicher als ein Kippen der Achse um 150°. Du kannst auch nicht einwenden, 'Ja, aber zusätzliche Drehrichtungsänderung ist unwahrscheinlicher.', weil die zusätzliche Drehrichtungsänderung in beiden Szenarien notwendig wären. In Deinem Szenario versuchst Du bloß, diese Tatsache vor Dir zu vertuschen. Der Energieaufwand (sowie der Aufwand an dazu notwendigen kräfteverursachenden Ereignissen) wäre aber größer, als die Erde anzuhalten und in Gegenrichtung zu drehen. Die sich ergebenden Beschleunigungsvektoren auf den verschiedenen Bereichen der Erdoberfläche wären halt nur erheblich komplizierter und schwieriger zu berechnen. Letztendlich träten die eben überlagert auf, und an manchen Positionen stärker, an anderen schwächer. Im Ergebnis wesentlich Statik-gefährdender.

Ich gabe versucht, Dir vorzurechnen, welche drastischen Beschleunigungen zur Disposition stehen. Die normale Erdanziehungskraft auf der Oberfläche beträgt 9,81 m/s² nach unten. (Daran ist die Erdkruste "gewöhnt".) Wenn nun zusätzliche Bescheunigungen in ähnlicher Größenordnung horizontal auftreten, gefährdet das schon ziemlich die Statik der Erdkruste. Da wäre es vllt. noch nicht das Problem, wenn ein paar Berge "abbrechen"... :D In diesem Sinne wäre ein Kippen der Erdachse um nur 30° + Drehrichtungsänderung der Erde noch *vergleichsweise* harmlos. Wenn aber ein Kippen der Erdachse um 150° der Erde stattfinden soll, gibts nen Haufen chaotischer Scherkräfte.

Du betrachtest die Erde wohl als kompakten Körper. Das ist sie aber nicht. Sie ist eher ein flüssiger Tropfen mit ner dünnen, etwas festeren, daraufrumschwimmenden Schicht von Erdkruste.


>nee, nee. eine vollbremsung muesste 1800 km/h ausbremsen (und wieder eine geschwindigkeit in der anderen richtung aufbauen.
>bei einer abweichung in der richtung sinds deutlich weniger kraefte.

Nein, das läuft kräftetechnisch ganz aufs Gleiche hinaus. Die Kräfte kämen eben nur in abweichende Richtungen zum Tragen.


>gehen wir mal von den famosen 3TF aus.
>das waeren also 72 stunden. wenn wir 150 grad abweichung in 72 stunden haben wuerden, waeren dies gut zwei grad seitliche verschiebung pro stunde.also rund 250 km seitliche beschleunigung pro stunde. das ist weniger als ein starker hurrikan bringt. (einen mit 190 km/h hatten wir mal im dorf. erstaunlich wenig schaden damals)
>ausserdem gelten die 250 km/h fuer auf dem aequator. 45° weiter zum pol sind das schon nur noch 125 km/h.

Geschwindigkeitstechnisch sehe ich da auch kein Problem. Die Äquatorianer sausen ja auch mit 1800 km/h im Kreis, ohne daß sies überhaupt mitkriegen.

Es treten bei so einer ErdaufdenKopfstellung die entsprechenden Kräfte trotzdem auf. Du kannst die Natur net austricksen. :-)

Außerdem willst Du doch eine von Deutschland aus gesehen über Frankreich aufgehende Sonne. Ohne Drehimpulsumkehrung geht das nunmal nicht. Bei dem komplizierten Szenario hast Du die entsprechenden Kräfte sogar doppelt.


>> - Net machen! :D Das Bremsen allein ist da nämlich noch das Harmloseste, solange das bei gerader Fahrt geschieht.
>das glaub ich dir einfach nicht. ein kreisel, der aus dem gleichgewicht kommt, pendelt sich wieder ins alte, oder in ein neues gleichgewicht ein.
>ein kreisel, der gestoppt wird, schiesst in einem riesigen pissbogen aus der bahn.

Aber nur, weil er "weiß", wohin. ;) Ich meine: der Punkt, an dem Du ihn berührst, der ist ja dann der "Abstoßungspunkt" oder so. Wenn Du ihn ringsherum gleichmäßig berührst, um ihn zu bremsen, in welche Richtung sollte er denn da "wollen"?


>>(Auf die Erde bezogen, stehen wir dann halt alle "bloß" schief in der Gegend rum und das Meer schwappt um die Welt.)
>
>ist dir klar, dass das wasser versuchen wuerde, mit 1.800 km/h weiterzusausen? nicht, dass es die volle geschwindigkeit kriegen kann, aber selbst die haelfte ist schneller, als "gewuenscht".

Klar doch.


>>Im abgelenkten Falle überschlüge sich die Erde, geriete ins Traumeln. Das macht sie jetzt zwar auch, aber langsam - das sind ja unsere Jahreszeiten. Außerdem taumelt sie da nur im Bezugssystem gegenüber der Sonne - gegenüber dem Mond nicht. Der Mond stabilisiert unsere Achse. Ich weiß nicht, wie lange das dauern würde, bis er sie nach so einer Aktion wieder stabilisiert hätte - würde aber wohl schon ein Weilchen dauern! (Je nach Unwucht der Erde eher Jahre bis bei geringer Unwucht Jahrhunderte als Tage, schätz ich mal.)
>falsch. die erde taumelt nicht (nennenswert). im gegenteil, sie haelt ihre rotationsachsenneigung von 23 grad sehr konstant. sogar in relation zur sonne. sonst haetten wir ja keine jahreszeiten.

Nö. Im Winter (Nordhalbkugel) ist der Südpol näher an der Sonne, im Sommer der Nordpol. Gegenüber der Sonne schwankt die Achse damit jählich um 46° hin und her.

Die Sonne ist bloß kräftetechnisch für uns weniger interessant als der Mond. Der Mond verursacht einen ca. doppelt so hohen Wellenberg wie die Sonne. Der Mond ist darum für uns maßgeblich, was die Ausrichtung unserer Rotationsachse anhand unserer Rotationssymmetrie anlangt.


>wenn die rotationsachse aus dem "gleichgewicht" kommt, haben wir alle keine sorgen mehr.
>stell dir bloss mal vor, einer der geometrischen pole wuerde zur sonne zeigen... - =45% der oberflaeche am kochen, 45% eingefroren und so ein schmaler guertel von 10% am aequator wo noch leben existieren koennte....

Nuja, wenn die Pole immerzu am Wandern wären, wäre das ja nicht das Problem. Heute tiefster Winter, morgen Hochsommer - die Atmosphäre würde das wohl gut ausgleichen. :D (Das Wettergeschehen hinkt den astronomischen Jahreszeiten doch locker 6 Wochen hinterher. Tiefster Winter müßte ja sonst der kürzeste Tag im Jahr sein - der ist aber gerade mal Winterbeginn.)

Unter "Gleichgewicht" würde ich hier verstehen, daß die Rotationsachse stabil ist.

Der Punkt ist bloß, daß wandernde Pole überlängere Zeit überhauptnicht möglich sind. Die Rotationsachse wird sich immer an irgendwas ausrichten (im Moment eben an unseren Mond - wenn wir den verlören, eben an der Sonne, dann gäb es keine Jahreszeiten mehr). Aber durch irgendwelche Ereignisse, die solche Änderungen, wie Du sie Dir vorstellst, herbeiführen sollen, müßte die Erde erstmal ins Taumeln geraten. Es sei denn, das Anschubsen und Stoppen wäre sehr gut aufeinander abgestimmt. Aber wer sollte sich denn dafür zuständig fühlen? :-)


>>Dann hätten wir ein Weilchen höchst interessante Jahreszeiten, die würden dann womöglich wohl in Tageszeiten umbenannt. Die Sonne könnte dann wohl jeden Morgen erstmal irgendwo völlig anders aufgehen, bis der Mond die Erdachse neu einpendelt. Bei diesem Geschlingere würde auch das Meer nicht stillhalten und wir müßten auch länger schief in der Gegend rumstehen.
>warum wohl bin ich nicht der einzige seher, der sagt, dass eventuell sogar nur 5% der weltbevoelkerung uebrigbleiben?

Das wären ja immernoch über 300 Millionen. Bei einem Wellenberg, der nicht bloß etliche Male den Äuqator entlang um die Erde rauscht, sondern, weil die Erde quasi unter ihm wegkippen soll, schlichtweg überall vorbeischaut (wie ein Satelit, der eine Umlaufbahn über die Pole hat), erscheint das allein ersauftechnisch schon völlig ausgeschlossen, nicht wahr?

>klick im forenkopf mal auf "home". da hab ich mal schnell ne bildserie fertiggemacht, wie ich mir die kipperei vorstelle. (inklusive "sonne von westen" - nach dem alten geographischen bezugssystem)

Die Bilder sind widersprüchlich. Du hast zwei konkurrierende Drehrichtungen. :D
Der grüne Äquatorpfeil soll wohl nur den ursprünglichen Drehsinn anzeigen?


Gruß, DvB



Antworten: