003 - Steuererklärung


Zukunftsforum


Geschrieben von tarman am 06. April 2012 00:08:59:

Natürlich haben Sie Ihre Steuererklärung für das vergangene Jahr längst abgegeben. Wenn nicht, dann erhalten Sie in diesen Tagen Post vom Finanzamt, in der Sie dazu aufgefordert werden. Das Finanzamt hofft, daß es von Ihnen noch Geld bekommt, doch leider müssen die Beamten immer wieder Geld zurückerstatten. Deshalb lohnt sich die Steuererklärung für Sie.

Also, Sie als guter Steuerbürger haben Ihre Erklärung abgegeben. Sie haben unterschrieben und - stehen mit einem Bein im Gefängnis. Oder zumindest mit einem Zeh, denn ganz so schlimm wird das nicht gehandhabt. Sie haben unterschrieben, daß Sie

- alle 118 gültigen Steuergesetze

- alle dazugehörigen 96.000 Verwaltungsvorschriften

- und alle für Sie relevanten aus den 185 Steuerformularen

beachtet und richtig ausgefüllt haben. Nach den Vorschriften.

Sie haben unterschrieben! Und damit etwas behauptet, was selbst Weltmeister unter den Gedächtniskünstlern nicht schaffen würden. Aber keine Sorge, der für Sie zuständige Finanzbeamte kennt diese ganzen Gesetze, Vorschriften und Formulare auch nicht. Genauso wenig wie Ihr Steuerberater oder der Finanzminister.

Zwischen 70% und 90% aller weltweit erscheinenden Literatur über Steuerfragen erscheint in deutscher Sprache! Die Angaben differieren, aber einigen wir uns auf zwei Drittel. Das heißt, zum deutschen Steuerrecht gibt es doppelt soviel Erklärungsbedarf wie zum Steuerrecht aller anderen Länder der Welt zusammengenommen.

Sicher, das sind Arbeitsplätze, sichere zudem. Denn solange unser Steuerrecht so kompliziert ist, benötigen wir Erklärungen dazu, die nun mal kein Inder, Rumäne oder Tscheche verfassen kann. Zumal diese Leute sich hüten würden, das zu tun.

Es gab einmal einen Herrn namens Friedrich Merz. Der wollte die Steuererklärung auf der Rückseite eines Bierdeckels erledigen. Nun, abgesehen davon, daß Herr Merz mit seiner eigenen Parteichefin nicht zurecht kam, hat er noch einen weiteren Nachteil: Seine Partei ist in der Opposition!

Oppositionen haben in diesem unseren Lande eine lange Tradition. Die CDU wollte das Steuerrecht schon lange vereinfachen. Damals, vor 1982, als Opposition. Die SPD wollte das Steuerrecht ebenfalls vereinfachen, damals, 1982-98, als Opposition. Jetzt will es wieder die CDU vereinfachen... Leider gibt es die "normative Kraft des Faktischen", die man nur spürt, wenn man an der Regierung ist. Statt ein Steuergesetz abzuschaffen, eine Verwaltungsvorschrift für obsolet zu erklären oder ein Steuerformular einzustampfen, erläßt man neue Gesetze, garniert diese mit neuen Vorschriften und entwirft neue Formulare.

Kleiner Abstecher: Ereignet sich irgendwo eine Katastrophe, so schicken Staaten (auch unserer) "unbürokratische Hilfe". Dabei wäre Deutschland geradezu prädestiniert, BÜROKRATISCHE Hilfe zu leisten. Dabei schickt man in das Katastrophengebiet einen Jumbojet mit 400 peniblen Beamten und einer Formulardruckerei im Bauch. Diese bauen dort eine funktionierende Verwaltung auf, durch die alle anderen Hilfsgüter effizient und gerecht verteilt werden. Und hinterlassen in dem Katastrophenland ein paar Steuergesetze und Verwaltungsvorschriften, nebst allen benötigten Steuerformularen.

In der Opposition sind sogar Politiker vernünftig und hegen nur die besten Absichten. Doch leider, leider hat diese Opposition nichts zu sagen. Also nicht wirklich zu bestimmen. Aber abstimmen darf sie schon. Deshalb stimmt sie fast immer FÜR die neuen Steuergesetze der Regierung. Denn abgeschafft wird nichts. Und wenn sich die Verhältnisse eines Tages ändern und die Opposition gelangt an die Macht, unterliegt sie der ominösen normativen Kraft des Faktischen. Anders ausgedrückt, sie lernt deutsch. Im Deutschen steht nun mal Gier in Regierung und teuer in Steuer. Da kommt keiner drum herum.

Ließen sich Steuergesetze vereinfachen? Ja, sicher. Sogar grundsolide Staatswesen wie die Schweiz kommen mit deutlich weniger Vorschriften aus. Weniger Vorschriften wären sogar effizienter und würden bei der Durchführung weniger Geld kosten. Außerdem gäbe es Rechtssicherheit. Aber wer will das schon 18 Steuergesetze, 4.800 Vorschriften und 85 Formulare - das könnte fast schon ein Normalbürger überschauen. Dann wären die hochbezahlten Steuertrickser in den Großunternehmen überflüssig. Es bestünde vielleicht sogar Chancengleichheit für den Handwerksmeister, der in seinem Betrieb nur drei Gesellen beschäftigt statt 300 Steuerfachanwälte.

Selbst, wenn das einer wollen sollte - wer sollte das durchführen? Minister Eichel? Ein gelernter Schulmeister hat davon so wenig Ahnung wie sein Vorgänger, der Physiker Lafontaine und dessen Vorgänger, der Rechtsanwalt Waigel. Die Beamten im Finanzministerium? Die haben das erforderliche Wissen, aber kein Interesse daran. Viele Vorschriften bedeuten viele Beamte und viele Beamte bedeuten viele höhere Beamte im Ministerium. Wieso sollten diese Leute ihre eigenen Arbeitsplätze wegrationalisieren? Nur damit der Bürger es einfacher hat?

Uns bleibt nur noch abzuhauen. Boris Becker hat es versucht, aber nicht gekonnt. Franz Beckenbauer macht es besser: In Deutschland abkassieren und in Österreich versteuern. Michael Schuhmacher versteuert in der Schweiz, aber der kassiert in Italien, ist also doppelt nicht betroffen. Thomas Gottschalk hingegen kassiert in Deutschland und versteuert in den USA. Und die abgehalfterte Talk-Heulsuse Margarete Schreinemakers, deren Sturz aus dem Quotenhimmel durch Probleme mit dem deutschen Steuerrecht ausgelöst wurde, versteuert brav in Belgien.

Anhand unserer Prominenten, die sich gerne als Vorbilder darstellen, lernen wir nur eines: Das deutsche Steuerwesen ist zum Davonlaufen!



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