006 - Altersvorsorge


Zukunftsforum


Geschrieben von tarman am 06. April 2012 00:11:37:

Haben Sie in den letzten Wochen eine Lebensversicherung abgeschlossen? Für sich oder für Ihre Kinder? NEIN? Dann sollten Sie das schnell tun! Am 1. Januar 2005 ist es nämlich vorbei mit den Steuerprivilegien, also der steuerfreien Auszahlung im Erlebensfall. Aber vielleicht lesen Sie doch lieber erst zu Ende, denn hier finden Sie ein paar Details, die Ihnen der nette Vertreter der großen Versicherung nicht so bereitwillig erklärt.

Stellen wir uns einmal vor, Ihr Urgroßvater hätte 1903 eine Lebensversicherung mit 20 Jahren Laufzeit abgeschlossen. Monatliche Einzahlungen von 5 Mark, was einer heutigen Kaufkraft von mindestens 100 Euro entspricht. Für diese 5 Mark hätte Ihr Urgroßvater damals 100 Pfund Brot kaufen können. Jeden Monat! Ihr vorausschauender Urgroßvater dachte damals so: Über 20 Jahre hinweg zahle ich 1.200 Mark (entsprechend 24.000 Pfund Brot) ein und bekomme von den guten Leuten der Versicherung dann 2.160 Mark (gleich 43.200 Pfund Brot) zurück. Tatsächlich wurde die Lebensversicherung Anfang 1923 ausbezahlt. Und Ihr prasserischer Urgroßvater hat das ganze Geld auch wirklich in Brot angelegt. In eine einzige Stolle zu 3 Pfund. Mehr war sein lebenslang angespartes Geld nämlich nicht mehr wert. Jetzt verstehen Sie auch, wieso ich in Brot gerechnet habe.

Für die Versicherung sah es ein wenig anders aus. Die hatte nämlich das Geld Ihres Urgroßvaters teilweise in Immobilien und Unternehmensbeteiligungen investiert, also in Werte, die damals in der Inflation nicht ihren Wert verloren. Die eingezahlten "24.000 Pfund Brot" blieben somit erhalten, aber jetzt gehörten sie der Versicherung. Also deren Aktionären, und nicht Ihrem Urgroßvater.

In den letzten 30 Jahren gab es eine hervorragende Möglichkeit, steuerlich begünstigt Kapital anzusparen. Die Direktversicherung durch Gehaltsumwandlung bot die Möglichkeit, bis zu 250 Mark im Monat in eine Lebensversicherung einzuzahlen. Auf dieses Geld fiel nur eine niedrige Pauschalsteuer an. Krankenkasse, Rentenversicherung und Pflegeversicherung wurden jedoch auch auf diesen Betrag fällig. Das so angesparte Geld wird nach wie vor steuerfrei ausbezahlt. Aber inzwischen müssen Sie für dieses Geld Beiträge an Ihre Krankenkasse bezahlen. Einfach so, im Nachhinein festgelegt. Sie haben keine Wahl, Sie müssen. Oh, hätten Sie vor 25 Jahren daran gedacht, sich diese Versicherung 2002 auszahlen zu lassen, hätten Sie nichts abgeben müssen. Aber nein, Sie waren so gierig, diese Versicherung bis 2004 laufen zu lassen. Da freut sich Ihre Krankenkasse.

In den Jahren 1995 bis 2000 brummte der Aktienmarkt. Wer da sein Kapital nicht verdoppelte, hat etwas falsch gemacht. Folglich stiegen auch die Lebensversicherungen dort groß ein. Eine Lebensversicherung ist eine große Firma, die es sich leisten kann, ihren Vorständen Monat für Monat Gehälter in einer Höhe zu bezahlen, für die ein gewöhnlicher Versicherter 30 Jahre Beiträge entrichtet hat. Wenn Ihnen jeden Monat eine Lebensversicherung ausbezahlt würde, einfach so, als Gehalt, dann sollte man doch erwarten, daß Sie ein hervorragender Experte sind. Aber nein, die hochbezahlten Experten der Lebensversicherungen verloren das eingesetzte Kapital ebenso wie das berühmte "Lieschen Müller", das ein paar tausend Mark auf Anraten ihres (ebenfalls überbezahlten) Bankberaters investiert hatte. Anders als Frau Müller halten sich die Herren Vorstände an anderen Leuten schadlos. Sie reduzieren einfach die prognostizierten Auszahlungen an ihre rechtlosen Geldgeber, nämlich an Sie und mich, die Versicherten. Aber die Gehälter der hohen Herren wurden trotz so offensichtlicher Fehlleistungen nicht gekürzt.

Folglich sollten Sie schnellstens für Ihre Kinder einen Versicherungsvertrag abschließen, mit 50 bis 60 Jahren Laufzeit, denn so wahren Sie das heutige Steuerprivileg bis in die zweite Hälfte dieses Jahrhunderts hinein. Und, wie Ihnen die oberen Absätze zeigen, ist dieses Geld absolut sicher angelegt. Sicher für die Versicherung, die aus den Beiträgen für Ihre Altersvorsorge den eigenen Vorständen die traumhaften Gehälter bezahlt.

Bemühen wir noch einmal Ihren Urgroßvater. Zur Geburt Ihres Großvaters legt er ein Sparbuch an, mit 1.000 Mark darauf. Dieses Sparbuch finden Sie heute, 100 Jahre später, auf dem Speicher. Abgesehen davon, daß die Bank ein Konto, das so lange ohne Nachricht war, längst eingezogen hätte, sähe die Rechnung so aus: 100 Jahre Laufzeit, bei durchschnittlich 2 Prozent Zinsen, hätten daraus 7.244,65 Mark werden lassen - entsprechend 3.699,40 Euro. In Brot ausgedrückt hat der Urgroßvater 20.000 Pfund "eingezahlt", aus denen in 100 Jahren mit Zins und Zinseszins knappe 4.000 Pfund wurden. Aber selbst diese Rechnung zeigt nicht die ganze Wahrheit. Das Geld des Uropas wurde 1923 im Verhältnis von eins zu einer Billion abgewertet. 1948 wurde es nochmals um eins zu zehn abgewertet. Aus dem Vermögen von 1904, die diese 1.000 Mark damals waren, wurden in 100 Jahren 0,4 Millionstel Cent.

Schön, oder besser, unschön. Schlagen wir uns auf die Seite der Gewinner. Lassen wir den lieben Urgroßvater das Konto in Dollar führen. 1.000 Goldmark entsprachen 238,10 Golddollar (Wechselkurs 1$ : 4,20M). Nach 100 Jahren zu 2 Prozent sind daraus 1.728,57 Dollar geworden, oder 1.329,67 Euro (Wechselkurs 1$ = 0,76923€). Das sieht doch schon wesentlich besser aus als die 0,4 Millionstel Cent in deutschem Geld? Aber in Brot gerechnet, wäre es weiterhin ein Verlustgeschäft.

Gibt es folglich nur schlechte Geldanlagen? Wäre es also besser, alles Geld zu Lebzeiten zu verprassen? Nun, es gibt ein paar Dinge, die den Wert besser erhalten oder sogar steigern. Beginnen wir mit der Abteilung Glücksspiel.

Ihr mittlerweile wohlbekannter Uropa beschloß, seinen Tausender in Sachwerte anzulegen, also in Grund und Boden. Am meisten Land bekam er damals in Ostelbien. Ein paar Hektar Ackerland. Falls er das nicht schon 1918 verlor, wurde er es 1945 los. Heute gehört das Land einem Polen. Wäre Ihr Ahnherr bescheidener gewesen und hätte sich mit ein paar tausend Quadratmeter am Stadtrand von München oder Stuttgart begnügt, dann... Ja, dann hätten Sie gewonnen! Das Grundstück wäre heute Millionen wert. Sogar in Brot. Aber, wie gesagt, es war ein Glücksspiel. Es kam auf den richtigen Ort an.

In den USA gibt es für Aktien den "Dividend ReInvestment Plan", bei dem gezahlte Dividenden gleich wieder in Aktien dieses Unternehmens angelegt werden. Auf diese Weise vermehrt sich der Aktienbestand ähnlich wie das Geld auf dem Sparbuch. Ihr Urgroßvater hätte einen solchen "DRIP" abschließen können. Dabei gab es genügend Nieten, die längst von Kurszettel verschwunden sind. Der Hauptgewinn wäre Coca Cola gewesen. 238,10 Dollar, im Jahr 1904 in einen DRIP eingezahlt, und Sie wären heute Multimillionär. Aber wer hätte 1904 auf braune Brause gesetzt?

Aber es gab auch sichere Anlagemöglichkeiten. Wer 1904 die 238,10 Dollar einfach in den Index Dow Jones investierte und diese Investition seither durchhielt, erzielte eine mittlere Rendite von 7 bis 9 Prozent (wieder werden alle Dividenden reinvestiert). Das ergibt zwischen 206.603,57 Dollar und 1.316.414,61 Dollar. Klasse, oder? Doch auch hier ist ein Haken dabei. 1904 wußte niemand, daß die USA zwei Weltkriege gewinnen und das gesamte Jahrhundert dominieren würden. Nebenbei wurde in diesen beiden Weltkriegen deutsches Vermögen in den USA enteignet. Firmenvermögen und auch Privatvermögen. Womöglich hätte das auch Ihren Urgroßvater getroffen. Wie sein ostelbisches Land heute einem Polen gehört, gehört sein in Amerika angelegtes Geld heute der US-Regierung. Virtuell jedenfalls, denn die hat es längst ausgegeben, um damit Bomben auf Vietnam oder sonstwo zu werfen.

Es gibt aber ein Mittel, Vermögen zu erhalten, im Inland und ohne jedes Risiko. Während ein Sparbuch mit 1.000 Goldmark darauf heute höchstens noch bei einer Antiquitäten-Versteigerung ein paar Euro erzielen würde, hätte ein kleines Säckchen mit 50 Goldstücken zu 20 Mark heute immer noch seinen Wert. Aktuell kostet ein solches Goldstück runde 90 Euro. Die 50 "Goldfüchse" hätten mithin einen Wert von runden 4.500 Euro. Was bedeutet, daß Gold als Bargeld genau jene Wertsteigerung erfahren hat, die weiter oben für das Sparbuch errechnet wurde. Diese Wertsteigerung wurde durch die beiden Inflationen 1923 und 1948 nicht beeinträchtigt. Sie brauchten dafür keine Grundsteuer zu entrichten und "feindliches Ausland" konnte Ihr Konto nicht konfiszieren. Dieses kleine Säckchen mit Goldmünzen hätte sogar ins Fluchtgepäck gepaßt. Nur einmal war Ihr Erbe in Gefahr: Unter Hitler war privater Goldbesitz verboten. Genau wie in den USA, nebenbei gesagt. Während Sie in Deutschland gleich nach dem 2. Weltkrieg Ihr Gold wieder hervorholen durften, blieb im Hort der Freiheit USA das Verbot bis 1971 in Kraft.

Niemand kann in die Zukunft sehen. Wie lange es den Euro geben mag, die Aktien welchen Landes in diesem Jahrhundert hohe und sichere Erträge abwerfen, wo ein Grundstück liegen sollte und welche Lebensversicherung Ihnen am meisten Geld erwirtschaftet, das kann Ihnen heute niemand sagen. Die einzige Konstante in den letzten Jahrtausenden war das Gold. Eine Goldmünze von Kaiser Augustus oder von Kaiser Wilhelm mag heute nicht mehr die Kaufkraft haben, die sie bei ihrer Entstehung hatte, aber sie ist nicht wertlos geworden. Im Gegensatz zum Papiergeld von Kaiser Wilhelm. Nur verdienen die Banken am Gold nichts, ebenso wenig die Lebensversicherungen. Deshalb raten die Ihnen vom Gold ab.

Die Zeiten werden unsicherer. Was vor 10, 15 Jahren galt, gilt heute immer weniger. Eines ist jedoch geblieben und wird auch in Zukunft sicher bleiben: Gold. Denken Sie vielleicht noch einmal nach, bevor Sie für Ihre Kinder einen Vertrag unterschreiben, der 60 Jahre Laufzeit haben soll. Noch ist Gold erschwinglich, mit etwa 450 Dollar pro Unze. Prognosen nennen Preise von 500 bis 6.000 Dollar für die nächsten fünf Jahre. Solche Wertsteigerungen sind steuerfrei - und weitaus höher als das, was Ihnen Lebensversicherungen bieten können. Obendrein haben Sie dabei die Gewißheit, daß sich nicht zuerst irgendwelche hohe Herren ihre Taschen füllen und Ihnen nur die Brosamen überlassen.

Anmerkung: Am 4. Januar 2006 lag der Goldkurs bereits zwischen 530 und 535 Dollar für eine Unze. Der Krügerrand, 1 Unze Gold, wurde beim Verfassen dieses Artikels (1.12.2004) zu 325 Euro verkauft. Am 4. Januar 2006 muß man dafür 458 Euro bezahlen.

Ergänzung: Am 10. Januar 2008 war der Goldkurs auf 917 Dollar pro Unze gestiegen. Der Krügerrand wird jetzt zu 620 Euro verkauft.



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