007 - PISA-Studie


Zukunftsforum


Geschrieben von tarman am 06. April 2012 00:12:25:

Gestern, am 7. Dezember 2004, erschien (ganz offiziell) die neue PISA-Studie. Natürlich sind die Ergebnisse seit über zwei Wochen bekannt. Nach den neuesten Ergebnissen steht es schlecht um diese Kolumne. Ein Viertel der 15-Jährigen kann diesen Text entweder gar nicht lesen oder zumindest nicht verstehen. Rechnen kann die Hoffnung unserer Zukunft nur auf Grundschulniveau. Also so, wie es ein Zehnjähriger können sollte. Ein Viertel, also 25 Prozent.

Unsere Schüler erreichten Platz 17 in Mathematik und Platz 20 im Lesen. Zum Glück wurden nur 31 Länder ausgewertet. Ehe Fußballfreunde das für einen beruhigenden Platz im unteren Mittelfeld halten - das Ergebnis ist so grottenschlecht wie das Abschneiden der deutschen Fußballer in der Europa-Meisterschaft. Es bedeutet ein Ausscheiden in der Vorrunde. Deswegen ist Rudi Völler zurückgetreten. Aber die für PISA-Ergebnisse verantwortlichen "Trainer" (also die Bildungs- und Kultusminister) bleiben natürlich im Amt. Da haben halt die Spieler versagt - also Lehrer, Eltern und Schüler. Denn Politiker versagen niemals. Denn sonst müßten sie zurücktreten. Also hohe Pensionen fürs Nichtstun einstreichen und den angerichteten Saustall einem Nachfolger überlassen.

Da die Damen und Herren Minister keine Lust haben, sich um dieses Problem zu kümmern, untersuche ich es gerne hier im Pranger. Das ist viel billiger, als eine Ministerial-Kommission daran zu setzen - und es kommen verständliche Ergebnisse dabei heraus. Aber keine Sorge, was hier im Pranger steht, wird so wenig umgesetzt, wie das, was die Kommissionen vorschlagen.

Fangen wir mal oben an, also bei unseren blendend abgesicherten Abgeordneten, die all die unverständlichen Gesetze beschließen, unter denen Deutschland zu leiden hat. Bei den Steuern sind sie noch durch mangelnde Kompetenz entschuldigt (Siehe den Text „Steuererklärung“ vom 10.11.2004). Aber für die Bildungspolitik gibt es diese Entschuldigung nicht. Die Verhältnisse werden durch ein schönes Wortspiel beschrieben, das ich hier gerne zitieren möchte: Die Parlamente sind mal voller und mal leerer - aber immer voller Lehrer. Bei der ersten PISA-Studie habe ich mich gefragt, ob in den Parlamenten die absoluten Spitzenkönner unter den Lehrern sitzen, die dafür in den Schulen fehlen. Oder der Schrott, der absolute Ausschuß, der nicht mal den erlernten Beruf soweit verstanden hat, daß er dafür die Weichen der Politik richtig stellen könnte.

Mittlerweile habe ich mich informiert. So auf den ersten Blick ist der Beruf eines Lehrers ein Halbtagsjob mit einem Vierteljahr Urlaub. Wer sich mit diesen Vorstellungen vor eine Klasse stellt, der geht meistens unter. Also sucht dieser Lehrer eine andere Beschäftigung. Eine, die eine mindestens so gute Pension bieten sollte, wie das Dasein als Berufsbeamter. Folglich nutzen diese Herrschaften die zweite Tageshälfte und die 13 Wochen Ferien zum Aufbau ihrer politischen Karriere. Einmal Abgeordneter oder wenigstens Bürgermeister - und dann ja nie wieder zurück in die Niederungen des Schuldienstes. Kein Wunder, daß diese Leute, für die ihr Lehrerberuf nur die Plattform zur Vorbereitung der eigentlichen Karriere darstellte, die Bedürfnisse von Schule und Schülern nie begriffen haben. Was sie natürlich nicht daran hindert, sich als von Gott beauftragte Sachverständige für Bildungsfragen zu fühlen und unsinnige Gesetze zu beschließen.

Aber nicht einmal in Deutschland gibt es genügend Abgeordnete und Bürgermeister, um jeden leistungsunwilligen Lehrer mit einem gut dotierten Posten in der Politik zu versorgen. Erstens verteidigen die Posteninhaber ihr Mandat mit allen Mitteln. Natürlich - lieber am Posten kleben bleiben, als zurück in der Schule vor versammelter Klasse zu versagen. Zum anderen gibt es noch den einen oder anderen Nicht-Lehrer, der in seinem Beruf schlecht genug ist, um sein Heil in der Politik zu suchen. Falls Sie diese Aussage ein wenig hart finden: Wieso sollte jemand, der in seinem Beruf Erfolg hat und diesen gerne ausübt, das alles aufgeben, um im Parlament Stimmvieh für die Parteioberen zu spielen? Wer es dagegen im eigenen Beruf zu absolut nichts bringt, der wird gerne hofierter Abgeordneter, Bürgermeister oder Minister. Auf diesen Pöstchen fällt es niemandem auf, daß der Inhaber nichts weiß, nichts kann und geistig nicht gerade eine Leuchte ist. Er wird trotzdem gut bezahlt, bekommt einen Dienstwagen, Leibwächter, Freiflüge... und mehr braucht der Pöstcheninhaber nicht. Vor allem keine Leistung zu erbringen.

Erste Erkenntnis: Die obere Ebene, die Politik, behindert mehr, als sie nützt.

Es gibt also tatsächlich Lehrer, welche die Schule als Halbtagsjob mit überlangem Urlaub auffassen. Ja, diese gibt es. Lehrer, die sich einen Dreck um ihre Schüler kümmern und die paar Stunden am Tag in Kauf nehmen, um danach ungestört zu leben. Lehrer, die gerne ein Drittel des Schuljahres lang krank sind. Ja, die gibt es alle. Und fast jeder von uns kennt jemanden, dessen Tochter einen Freund hat, dessen älterer Bruder unter einem solchen Lehrer gelitten hatte... Solche Schmarotzer gibt es in allen Berufen. Weniger als einer von hundert Lehrern, die nicht im Parlament sitzen, gehört dazu. Und doch haben diese Dreckskerle den Ruf eines ganzen Berufsstandes verdorben.

Der gewöhnliche Lehrer hat pro Arbeitstag drei bis fünf Auftritte vor einem äußerst unwilligen Publikum abzuleisten. Das hat nicht einmal ein Thomas Gottschalk geschafft, deshalb hat er die Niederungen des Schuldienstes schnellstens verlassen. Das deutsche gebührenpflichtige Fernsehen stellt weitaus geringere Anforderungen an seine Bildschirmgrößen.

Im Gegensatz zu Fernsehmoderatoren wird der einfache Lehrer von Vorschriften gegängelt, die schulflüchtige Ex-Kollegen erlassen haben. Politiker und Juristen in den Ministerien schreiben den Lehrern vor, was sie Woche für Woche zu unterrichten haben. Wobei es das Ministerium nicht interessiert, wie gut die Klasse mit dem Stoff zurecht kommt. Wenn der Lehrplan befiehlt, daß die Schüler innerhalb von sechs Wochen das Bruchrechnen zu begreifen haben, dann wird nach sechs Wochen eine Arbeit geschrieben und das Thema abgehakt. Selbst wenn die lieben Schüler nach zwei Wochen die Mengenlehre begriffen haben, wird sie noch zwei weitere Wochen unterrichtet, weil der Lehrplan das so vorschreibt. Und wehe, die Frau oder der Mann vor der Schülerfront nutzt zwei überflüssige Wochen Mengenlehre, um dringend benötigtes Bruchrechnen zu vertiefen! Das hieße schließlich, die allumfassende Weisheit der Schulbehörden in Frage zu stellen.

Der aus Wilhelm Busch bekannte Dorfschullehrer Lämpel, der im 19. Jahrhundert unterrichtete, hatte zwar nicht studiert, aber dafür mehr Freiheiten als jeder seiner heutigen Kollegen. Selbst wenn acht Klassen bei gemeinsamen Unterricht in einem Raum, mit einem Lehrer, der seine Bildung als Feldwebel bei der Armee erworben hatte, als Horror-Vorstellung die heutigen Bildungspolitiker abschreckt - jene Lehrer brachten ihren Schülern Lesen, Schreiben und Rechnen bei. Vermutlich hätten sie sogar bessere Plätze in der PISA-Studie erzielt. Zur damaligen Zeit waren Lehrer auch mit Leib und Seele Lehrer, und nicht wie heute durch widrige Umstände verhinderte Politiker oder Showmoderatoren.

In jenen verklärten alten Tagen der Schulmeisterei regierte in den Klassenzimmern der Rohrstock. Und Kinder, die vom Lehrer verprügelt wurden, bekamen von ihren Eltern noch einen Nachschlag, weil diese davon ausgingen, daß die lieben Kleinen das verdient hatten. Damals bekamen die Kinder ihre erste Erziehung von der Großmutter, die ganz selbstverständlich im Haus wohnte - und tagsüber dort blieb, weil sie zu gebrechlich war, um auf dem Feld noch von Nutzen zu sein. Heute sitzt die Oma im Altersheim oder hat wenigstens eine Wohnung weit weg von ihren Enkeln. Statt dessen übernimmt die Erziehung der Fernsehapparat. Auf das Leben bereiten Rambo, der Terminator und Freddy Krüger vor. Damit die Kinder nicht stören, haben sie ein eigenes Gerät in ihrem Kinderzimmer stehen. So können sich die Eltern von ihrem Berufsalltag erholen, den sie auf sich nehmen, um den Zweitwagen und die drei jährlichen Fernreisen zu finanzieren.

Weil die Eltern keine Zeit haben, soll die Schule die Erziehung nachholen. Ist ja auch besser so, schließlich haben die Lehrer studiert. Sogar Pädagogik, und nicht BWL und Kunstgeschichte, wie die Eltern. Prügeln dürfen die Lehrer schon lange nicht mehr. Wenn Schüler zu offensichtlich beim Nachbarn abschreiben, dürfen sie aber immer noch 6er vergeben. Was die Eltern natürlich nicht verstehen, soll doch der hoffnungsfrohe Sprößling später mal den Nobelpreis holen. Mindestens!

Was tun also die Eltern? Richtig, sie greifen fördernd und fürsorglich ein. Was bedeutet, sie verklagen den Lehrer. Schließlich hat der Schüler ja nur seine Teamfähigkeit bewiesen. Wobei Team in diesem Fall wie so oft eine Abkürzung ist und bedeutet: Toll, ein anderer macht's (das Lernen). Dank der Gerichte läßt sich vieles korrigieren, was bei den unfähigen Lehrern im Argen liegt. Noten, Bewertungen, Unterrichtsstil, Lehrinhalte... Das alles regeln dann die Fachleute in den Gerichten. Die haben nämlich studiert. Nein, nicht Pädagogik. Jura! Es handelt sich also um jene Leute, über die ein gewisser Ludwig Thoma (Rechtsanwalt und Schriftsteller) einst geschrieben hatte: "Er war ein guter Jurist und auch sonst von mäßigem Verstande". Aber das ist lange her und es steht in Büchern, was laut PISA-Studie sowieso immer weniger Menschen verstehen.

Jura heißt auf Deutsch Rechtswissenschaften. Die Leute, die vor Gericht über den Schulunterricht entscheiden, haben also studiert, wer Recht hat. Zumindest tun sie so. Weshalb deutsche Juristen nicht nur alles wissen, sondern sogar alles besser wissen. Auf jeden Fall besser als die Lehrer. Die haben zwar ihr Fach studiert, sich mit Pädagogik (Erziehungswissenschaften) und Didaktik (Methodik des Unterrichtens) befaßt, aber nicht mit Recht. Also haben nicht sie Recht, sondern diejenigen, denen das Gericht das Recht zuspricht. Es reicht also nicht, bis tief in die Nacht Unterricht vorzubereiten, Klassenarbeiten zu korrigieren, Lehrpläne zu erfüllen, Eltern in den Sprechstunden zu beraten und nebenbei noch diverse Verwaltungsarbeiten zu erledigen, nein, als Lehrer sollte man noch einen Informationsdienst mit den neuesten Gerichtsurteilen abonnieren.

Für treue Leser des Prangers möchte ich es als zweite Erkenntnis zusammenfassen: Lehrer in Deutschland dürfen alles, nur nicht nach dem Stand ihrer Kenntnisse und Ausbildung unterrichten.

Lehrer Lämpel (der aus Wilhelm Busch) unterrichtete deutsche Schüler in deutscher Sprache, die seine Schüler auch verstanden. Heutzutage sitzen in der Grundschule Kinder aus sechs bis zwölf Nationen, vereinzelt auch solche, die der deutschen Sprache mächtig sind. Dank den Vorgaben der meist grünen Multi-Kulti-Anhänger wäre es eine Diskriminierung, Kinder von ausländischen Mitbürgern getrennt von deutschen Kindern zu unterrichten. Nur weil diese Kinder kein Deutsch können, darf man sie doch nicht anders behandeln. Also gar in Schulen stecken, in denen man ihnen zuerst und hauptsächlich Deutsch beibringt. Sollen doch die Lehrer das Problem lösen! Dafür werden sie schließlich bezahlt (...wenn sie zu dumm sind, um in die Politik zu gehen).

Auf dem alten Zehn-Mark-Schein fand man nicht nur das Abbild eines gewissen Herrn Gauß, sondern auch seine Glockenkurve, eine statistische Verteilung. Sie beschreibt viel, unter anderem auch die Verteilung der Intelligenz. Zur größten Überraschung unvoreingenommener Politiker ergibt sich daraus das, was der Normalbürger vermutet: Je intelligenter die Menschen sein sollen, die man sucht, desto weniger findet man. Oder anders ausgedrückt: 60 Millionen der 80 Millionen Deutschen haben die Qualifikation zum Minister, aber nur 250.000 könnten Physik-Professoren werden. Zum Glück werden Minister besser bezahlt als Physik-Professoren. Praktisch wirkt sich das so aus, daß ca. 10 Prozent der Menschen wirklich die Befähigung zum Studium haben. In Deutschland ebenso wie in Finnland oder Singapur. Unabhängig von der PISA-Studie. Wenn man also 20% oder 50% Abiturienten haben will, dann gibt es dazu nur ein Mittel: Die Anforderungen senken!

Was hat das für Folgen? Nun, 50% Abiturienten, 20% mittlere Reife, 20% Hauptschulabschluß und 10% ohne Abschluß. Klingt zwar toll, aber es hat zur Folge, daß ein Abitur ohne Anforderungen auch das Niveau der Realschule drückt. Und die Realschule noch mehr die Hauptschule. Wer bei 50% Abiturienten kein Abi erreicht, gehört also schon zur "unteren Hälfte" der Intelligenzverteilung. Also zu den Leuten, die ohne Lehrstelle bleiben. Zum Ausgleich studieren die vielen Abiturienten leichte Fächer, also Diskussionswissenschaften wie BWL und Jura, bei denen es ausreicht, die Meinung des Professors nachzubeten, um zu einem Abschluß zu kommen. Aber wenigstens haben wir dann internationale Standards erreicht. Und wenn die Schüler Schwierigkeiten haben, selbst das Einfach-Abi zu schaffen, dann hilft immer noch ein Anwalt.

Da die Abiturienten-Quote politisch gewünscht ist, muß ein Lehrer diesen Anweisungen folgen. Das heißt, er darf in seiner Klasse nicht etwa ausmisten, sondern er muß die Schüler bis zum Abschluß durchziehen. Im Gymnasium muß er das Niveau halten, das die Mehrheit seiner Schüler begreift. Also langweilt er die wirklich Hochbegabten. (Aber Hochbegabte gibt es ja laut gewissen Theoretikern nicht. Also laut solchen Leuten, die sich nie eine Gauß-Kurve angesehen haben, weil sie diese bei ihren Diskussionswissenschaften nicht brauchten.) In den nachgeordneten Schulen darf ein Lehrer noch weniger leisten. Schließlich sind seine Schüler bereits der von der Politik ausgesonderte Bodensatz, außerdem muß er den Lehrplan einhalten. Da bleibt keine Zeit mehr für Themen, die das Interesse der anvertrauten Schüler wecken. Wehe dem Lehrer, der es trotzdem versucht! Der bekommt nämlich Knüppel zwischen die Beine geworfen, bis er es unterläßt und künftig seinen Dienst nach den Vorschriften erledigt.

Dritte Erkenntnis: Die Schüler haben gar keine Chance, in dieser von der politischen Führung so gewollten Schule Spitzenleistungen zu erbringen.

Fazit: Deutsche Schulen waren einmal gut. Jetzt haben wir internationale Standards, denen wir hinterher laufen. Was ist denn so falsch, wenn wir nur 15% Abiturienten hätten? 10% fähige und 5% reiche Leute? Dazu 25% Realschüler, die gerne auch zum Ingenieur aufsteigen können. Fachlich qualifiziert, nicht mehr zweitklassig wie bisher. Wenn dann 55% die Hauptschule abschließen, diese aber auch einen gewissen Anspruch erfüllt, was ist daran falsch? Wenn mein Friseur gut Haare schneidet, ist das völlig in Ordnung. Dafür muß er sich nicht mit Kurvendiskussionen oder Nietzsche herumschlagen.

Mein Vater war Jahrgang 1917. Was er in der Volksschule hatte, hörte ich nicht mal mehr auf dem Gymnasium. Oh, sicher, ich hatte in meiner Schulzeit insgesamt mehr gelernt als er. Aber auch ihm hat sein Lehrer interessante Dinge erzählt. Damals, als der Lehrplan dafür noch Zeit ließ. Oh sicher, mein Vater wäre gerne Rechtsanwalt geworden, was damals die Verhältnisse nicht zuließen. Das ist heute besser. Aber deshalb müssen wir heute nicht jeden ins Studium prügeln.

Gauß umgesetzt heißt nichts anderes, als daß 10% der Menschen fähig sind, Maschinen zu entwickeln, 30% es schaffen, solche Maschinen zu warten und zu reparieren, und die restlichen 60% diese Maschinen nur bedienen. Daran ändert PISA nichts und die Politik noch weniger. Das einzige, was die Politik schafft, ist, die unheimlichen 10% in der Spitze dank ihrer Schulkonzepte so einzulullen, daß diese ihre Schulzeit im Dämmerschlaf verbringen. Intelligenz verhält sich weder nach den Wünschen linker Ideologen noch nach den Vorstellungen der Alt-68er. Die 10% in der Spitze bleiben unheimlich, weil sie im Laufe ihres Lebens schließlich lernen, selbst zu denken, anstatt das nachzubeten, was ihnen Bildungspolitiker vorgeben möchten. Daran ändert auch die schlechteste Schule nichts.

Ein Fazit: Die Schüler hätten eine bessere Schule verdient. Nicht die Schüler sind es, die an den schlechten Ergebnissen der PISA-Studie schuld sind, sondern die Politiker. Ein besonders gutes Beispiel, was von öffentlichen Schulen zu halten ist, bietet die bayerische Kultusministerin Monika Hohlmeier. Ihre Kinder gehen NICHT auf eine öffentliche Schule, sondern auf eine private. Die Mutter weiß bestimmt, warum. Nur, warum sagt sie das nicht der Kultusministerin? Die könnte solche Verbesserungen nämlich umsetzen - und damit das tun, wofür sie von der Allgemeinheit bezahlt wird. Lehrer Lämpel hätte das von ihr erwartet. Aber der gehört schließlich ins 19. Jahrhundert.

PS. Ich karte ungern nach, aber es ist leider notwendig. Falls jemand weiß, wer Frau Edelgard Bulmahn ist - es handelt sich um unsere deutsche Bildungsministerin. Also um eine Frau, die ihr Gehalt dafür einsteckt, daß sie wenigstens ein bißchen was von Bildung (und Ausbildung) versteht. Ihre geniale Erkenntnis aus der PISA-Misere: Das bayerische Modell (Aufteilung der Schüler ab der 5. Klasse nach persönlicher Begabung), das bei PISA in Deutschland noch am besten abschneidet, ist blanker Unsinn. Niedersachsen ist die Zukunft! (Also das Land, das schlechter als alle anderen abschneidet.) Natürlich sagt sie nicht Niedersachsen, sondern Finnland. Anstatt rechtzeitig Eliten zu fördern (hat man vor 1968 getan), werfen wir möglichst lange alle Schüler in die gleichen Klassen (das nannte sich Dorfschule, 19. Jahrhundert, als es weiterführende Schulen nur in Städten gab und Kinder eine Stunde zur Schule laufen mußten). In diesen... - Gesamtschulen? Oh, welch erstaunliche Neuerung! - bindet man den guten Schülern die schlechten wie einen Klotz ans Bein und unterrichtet nach dem niedrigsten in der Klasse vorhandenen Niveau. Die Guten (die sich langweilen und anderweitig beschäftigen) sollen den Schlechten (die bereitwillig die Bildungsversuche verweigern) mitziehen.

Gut, ganz so falsch ist diese "Idee" nicht. Bessere Schüler können schlechtere mitziehen. Aber eben nur dann, wenn eine gewisse Gemeinsamkeit zwischen beiden besteht. Ein Sprinter, der die 100 Meter in 9,8 Sekunden läuft, kann einen anderen, der dafür 11,0 Sekunden braucht, auf 10,4 Sekunden beschleunigen. Aber einen "Sprinter", der mit 180 kg Körpergewicht die 100 Meter in 28 Sekunden absolviert, bekommt auch der Weltrekordler bestenfalls auf 25 Sekunden. Er ist dabei nicht effektiver als ein anderer "Sportler", der seine 100 kg in 19 Sekunden über die Bahn wälzt. Zum Glück ist Frau Bulmahn nicht für das Training der Olympiamannschaft zuständig. Aber die laufen auch ohne ministerielle Unterstützung hinterher.

Zwar sind Abgeordnete und Minister nur für vier Jahre gewählt - aber leider erstreckt sich der durch sie angerichtete Schaden über Generationen. Arme deutsche Schüler. Eine Entschuldigung für die Versäumnisse werden sie bestimmt nicht hören. Aber dafür werden sie arbeiten, um die Pension der Ministerin zu bezahlen. Bis an deren Lebensende. Denn auch dieser Folgeschaden lastet auf künftigen Generationen.

PPS. Frau Bulmahn ist "Studienrätin a.D.", also eine von den Lehrerinnen, die auf der Flucht vor ihren Schülern in der Politik gelandet ist. Verstünde sie wirklich etwas von Schule - wieso ist sie dann abgehauen? Aber lassen wir das. Es gibt ein deutsches Sprichwort, das in etwa lautet: Wer es kann, soll es machen. Wer es nicht kann, soll darüber reden. Also, reden Sie weiter, Frau Ministerin!



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